Die Schilder sind mittlerweile in jedem Stadion zu finden. „Kann ich dein Trikot haben?“ lauten die oftmals in Kinderhandschrift verfassten Anfragen darauf. Die bunt verzierten oder mit der Rückennummer des gemeinten Spielers bemalten Plakate haben spürbar zugenommen, gerade während der Pandemie nahmen sie einen großen Platz auf den Rängen ein. Während viele Ultras den halbvollen Stadien noch fern blieben, standen an ihrer Stelle zahlreiche Kinder mit eben jenen Botschaften. Schilder-Meer statt Choreo.
Für Ajax Amsterdam hat der Trend überhand genommen. Künftig sind solche Plakate in der Johan Cruyff Arena verboten, hat der niederländische Hauptstadtklub entschieden. Nachdem der Verein am Wochenende beim Supercup gegen PSV Eindhoven bereits mehrere solcher Schilder einsammeln ließ, richtete er sich nun in einem Statement an den Supporters Club. Ajax ist der erste Verein, der sich gegen den Trend stellt. Und erntet dafür reichlich Lob.
Erst betteln, dann abkassieren
Die Verantwortlichen nennen in ihrer Erklärung gleich mehrere Gründe für das Verbot. Der bizarrste davon ist, dass die vielen Schilder aus Pappe eine Brandgefahr im Stadion darstellen. Nicht etwa Zigaretten könnten das Stadion in Brand setzen, sondern ein paar Kinder mit Schildern.
Keine Entwicklung des modernen Fußballs ist aktuell nerviger: Fans, die mit Schildern um Trikots betteln. Was soll das?
Weitaus verständlicher hingegen ist die Begründung, dass es die Spieler arrogant aussehen ließe, sollten sie der Aufforderung nach einem Trikot einmal nicht Folge leisten. Es könne schließlich nicht die gesamte Mannschaft nach jedem Spiel ihre Kleidung abgeben. Zusätzlich gäbe es die Problematik des Weiterverkaufs im Internet. Vor wenigen Monaten hatte sich Thibaut Courtois bereits zu dem Thema geäußert. Er würde sich die Zeit nehmen, um Autogramme zu geben und Trikots zu verschenken, nur um diese am nächsten Tag auf Ebay wiederzufinden, bemängelte der belgische Nationaltorhüter.
Die Debatte um das Phänomen „Trikot-Betteln“ polarisiert. In den sozialen Medien wird Ajax Amsterdam von der überwiegenden Mehrheit für die Aktion gefeiert. Kinder sollten nicht nur noch ins Stadion gehen, um etwas abzustauben, heißt es da. Andererseits steigen die Trikotpreise seit Jahren an. Für ein Trikot mit Flock müssen Ajax-Fans mittlerweile stolze 110 Euro hinlegen. Womöglich beschriften die Kinder in Zukunft ihre Plakate also einfach mit „Kann ich 110 Euro haben?“. Das wäre aktuell ja immerhin erlaubt.