Das Wort Sai­son­start ist in der Pri­mera Divi­sión Feme­nina irre­füh­rend. Sowohl am offi­zi­ellen Auf­takt­wo­chen­ende, 8. bis 10. Sep­tember, als auch am zweiten Spieltag, 15. bis 17. Sep­tember, wird kein Spiel ange­pfiffen. Die Fuß­bal­le­rinnen streiken. Dazu rief ein Zusam­men­schluss von meh­reren Spie­ler­ge­werk­schaften rund um den Ver­band der spa­ni­schen Fuß­ball­spieler (AFE) in dieser Woche auf. Nach 2019 ist es der zweite Streik in der His­torie der Liga F. ​Es geht darum, die Ver­hand­lungen vor­an­zu­bringen, eine faire und men­schen­wür­dige Behand­lung der Fuß­bal­le­rinnen zu errei­chen und das bestehende Lohn­ge­fälle zu besei­tigen und zu ver­rin­gern“, hieß es in einer Mit­tei­lung der AFE.

Die For­de­rung: Das 2019 ver­han­delte Min­dest­ge­halt von 16.000 Euro pro Jahr soll auf 25.000 Euro erhöht werden. Die Liga bot eine Summe von 20.000 Euro an. Wird ein liga­weiter Profit von acht Mil­lionen Euro erzielt, steigt die Summe auf 23.000 Euro. ​Diese Summe ist aus Sicht der Gewerk­schaft schwer erreichbar und es ist auch nicht zu 100 Pro­zent garan­tiert, dass sie aus­ge­zahlt wird. Wir sind sogar auf 23.000 Euro run­ter­ge­gangen, aber die Liga hat sich nicht auf uns zu bewegt“, erklärte Amanda Gut­ierrez, Vor­sit­zende der Spie­le­rin­nen­ge­werk­schaft Futpro.

Liga-Chefin setzt auf ​Nach­hal­tig­keit des Wett­be­werbes“

In einer Stel­lung­nahme auf der AFE-Web­seite recht­fer­tigt die Spie­ler­ge­werk­schaft die For­de­rung mit der soliden wirt­schaft­li­chen Lage der Liga F. Die Spie­ler­ge­werk­schaft kommt auf fast 100 Mil­lionen Euro Ein­nahmen und rechnet vor: 42 Mil­lionen Euro Gewer­be­ver­mögen, 35 Mil­lionen Euro für Fern­seh­rechte und 22,5 Mil­lionen Euro durch den Bei­trag der Regie­rung.

Die Liga-Vor­sit­zende Bea­triz Alvare bremst die Erwar­tungen jedoch. Selbst die vor­ge­schla­genen 20.000 Euro Min­dest­ge­halt seien für einige Ver­eine schwer finan­zierbar. ​Mehr geht ein­fach nicht, das sage ich offen und ehr­lich. Wir wollen den Streik nicht. Der wird uns ein­deutig schaden. Aber wir stellen die Nach­hal­tig­keit des Wett­be­werbes an vor­derste Stelle. Ich glaube, dass die Liga wei­terhin für viele gute Spie­le­rinnen attraktiv genug ist, um sich ihr anzu­schließen“, sagte sie nach den geschei­terten Ver­hand­lungen Mitte der Woche.

Die Sorgen der Spie­ler­ge­werk­schaft

Bei dem Streik geht es aller­dings nicht nur um eine bes­sere Bezah­lung und Aner­ken­nung, son­dern auch darum, dass die Liga im inter­na­tio­nalen Ver­gleich attraktiv bleibt. Gut­ierrez erklärt es wie folgt: ​In der Liga F laufen zwei Ballon d´Or-Gewinnerinnen auf. Wir haben Talente in diesem Land. Doch das wird nicht genug von den Arbeit­ge­bern hono­riert. Die Talente wan­dern des­halb in andere Ligen ab. Das wurde in den ver­gan­genen zwei, drei Sai­sons deut­lich. Wenn wir nicht anfangen unsere Talente wert­zu­schätzen, werden sie in andere Ligen abwan­dern und die Liga ver­liert den Anschluss.“

Ein Blick auf die Trans­fers in diesem Sommer unter­mauert die These: Der FC Bar­ce­lona, der in der Vor­saison die Cham­pions League und die Meis­ter­schaft gewann, ließ die Stür­merin Geyse für eine Klub­re­kord-Ablöse von 300.000 Euro zum eng­li­schen Vize-Meister Man­chester United ziehen. Mit Laia Codina ver­loren die Kata­lanen nicht nur eine Welt­meis­terin, son­dern auch ein Talent, das seit dem 14. Lebens­jahr für den Verein auf­lief. Tatiana Pinto, die früher in der Bun­des­liga für den SC Sand spielte, ent­schied sich gegen inter­na­tio­nalen Fuß­ball beim Cham­pions-League-Qua­li­fi­kanten UD Levante und für einen Wechsel zu Brighton & Hove Albion. Die Eng­län­de­rinnen waren in der Vor­saison nur fünf Punkte besser als die Abstei­ge­rinnen des FC Rea­ding.