BSG Stahl / BSV Bran­den­burg
Platz 8 / 27:25 Punkte / 34:31 Tore

Vor dem letzten Spieltag der Schick­sals­saison 1990/91 war nur wenig ent­schieden. Der Meister aus Ros­tock, sowie der Vize aus Dresden hatten ihre Bun­des­li­ga­qua­li­fi­ka­tionen in der Tasche, Rot-Weiß Erfurt war die Teil­nahme an der 2. Bun­des­liga nicht mehr zu nehmen. Auch die Absteiger, Energie Cottbus und Vik­toria Frank­furt, standen fest, was aber nicht mal mehr am Rande inter­es­sierte. Alle anderen spielten um die 2. Liga. Drei direkte Plätze waren noch zu ver­geben, für den Rest blieb die Rele­ga­tion.

Nie zuvor war der sechste Platz begehrter, er ersparte die Rele­ga­tion, bedeu­tete die 2. Liga, den Pro­fi­fuß­ball, das ver­meint­liche Para­dies. Vor dem letzten Spieltag belegte Stahl Bran­den­burg diesen magi­schen Rang. Nur noch das Aus­wärts­spiel in Erfurt trennte den Klub vom ersehnten Auf­stieg. Die Partie begann wie erhofft, mit Timo Langes sattem Schuss ins Eck ging Stahl in Front. Die Tür zur 2. Liga stand offen. Doch Erfurt ließ sich nicht hängen, für die Thü­ringer ging es immerhin noch um den UEFA-Cup. Sie drehten ent­spre­chen auf, machten zwei Tore und stießen Bran­den­burg auf den achten Platz. Rele­ga­tion. Dort lan­dete Stahl in einer Gruppe mit dem 1. FC Mag­de­burg, dem FC Berlin und Zweit­li­gist Union Berlin. Jeder gegen jeden, aus­wärts und daheim, ein sechs Spiel­tage dau­ernder Hoff­nungs­lauf.

Ein sechs Spiele dau­ernder Hoff­nungs­lauf

Mit dem bes­seren Ende für Bran­den­burg. Sie ergriffen den Stroh­halm, der ihnen nach dem bit­teren letzten Ober­li­ga­spieltag gereicht wurde. 2. Liga – Bran­den­burg war dabei. Pro­fi­fuß­ball an der Havel. Es blieb ein Inter­mezzo. Nach nur einem Jahr war der Spaß vorbei. Vorbei die kurze Blü­te­zeit des Bran­den­burger Fuß­balls. Erst 1984 war Stahl erst­mals in die Ober­liga auf­ge­stiegen, 1986 sogar in den UEFA-Cup ein­ge­zogen. Der finanz­starke Trä­ger­be­trieb, das benach­barte Stahl­werk, sorgte für einen adäquaten Sta­di­on­ausbau und eine elek­tro­ni­sche Anzei­ge­tafel. Eine Betriebs­sport­ge­mein­schaft sorgte für Auf­sehen. 

Doch die 2. Liga war ein­fach eine Nummer zu groß, zu grün war der Kader, dessen größte Talente, Roy Präger und Chris­tian Beeck, erst Jahre später reif genug für solche Auf­gaben waren. Eine enorme Trai­ner­fluk­tua­tion trug ihren Teil zum schlechten Abschneiden bei. Düwiger, Kar­kuth, Reinke, Kos­mehl, erneut Düwiger. Die Säge lag stets in der Nähe des Trai­ner­stuhls. Ab dem 18. Spieltag konnte Stahl die Abstiegs­plätze nicht mehr ver­lassen und tau­melte hilflos in die Ober­liga Nordost. 1994 reichte es noch einmal für die Teil­nahme an der Auf­stiegs­runde zur 2.Liga, die aller­dings der FSV Zwi­ckau für sich ent­scheiden konnte. Mit dem Haupt­sponsor hatte sich der Verein da längst über­worfen. Ohne Geld ging es in der wie­der­ein­ge­führten Regio­nal­liga weiter. 

Dort wurde Stahl, inzwi­schen als BSV Bran­den­burg, umge­hend in die Ober­liga, ein Jahr später sogar in die Ver­bands­liga durch­ge­reicht. Als sich die UEFA-Cup-Teil­nahme zum zehnten Mal jährte, war der BSV nur noch fünft­klassig. Dafür gab es end­lich Flut­licht­spiele im Sta­dion am Quenz. Im Dezember 1996 wurde die Anlage, deren Bau schon 1988 begann, ein­ge­weiht. Mit einem 0:5 gegen Energie Cottbus. II. Ein stolzer Verein lag am Boden, das Sta­dion blieb leer und zu allem Übel wurde der Lokal­ri­vale, der BSC Süd 05, zur sport­li­chen Nummer eins der Stadt. 1998 war der BSV pleite und ging in Kon­kurs. Der neu­ge­grün­dete FC Stahl Bran­den­burg über­nahm das Ver­bands­li­ga­start­recht des BSV und nicht zuletzt auch dessen Geschichte. In der Ver­bands­liga vege­tierte Stahl vor sich hin, bis die wenigen ver­blie­benen Fans von einer wag­hal­sigen Idee scho­ckiert wurden: eine Fusion mit dem BSC Süd stand vor der Tür, abge­segnet von den Vor­ständen der Ver­eine. Fan­pro­teste auf beiden Seiten ließen die Fusion platzen. Unglück im Glück: Spon­soren sprangen ab, Leis­tungs­träger gingen. Stahl bekam arge Pro­bleme, in der Ver­bands­liga zu bleiben.

End­lich Flut­licht­spiele im Sta­dion am Quenz

Nachdem sie dem Abstieg einige Male von der Schippe springen konnten, war es 2006 dann doch soweit – Stahl war nur noch Lan­des­li­gist. Oben­drein kramten Lokal­po­li­tiker alte Fusi­ons­pläne wieder aus. In den Augen der Stahl-Fans nach wie vor keine gute Idee. Wieder galt es, den Verein zu erhalten. Ein Spen­den­konto wurde eröffnet, eine Image­kam­pagne („Feuer und Flamme für Bran­den­burg“) initi­iert sowie ein Vor­stand gewählt, dessen Auf­gabe es per Mit­glie­der­be­schluss ist, eine Fusion unter allen Umständen zu ver­hin­dern. Zu guter letzt schloss sich Stahl der pfif­figen Idee einer Wer­be­agentur an, die Fans zu Haupt­spon­soren macht. Für ein paar Euro kann der eigene Name auf dem Trikot ver­ewigt werden. Zwar ist der Schriftzug zu klein, als dass man ihn vor der Tri­büne aus lesen könnte, iden­ti­täts­stif­tend wirkt er aber allemal.

Die im Raum ste­hende Insol­venz konnte Stahl so abwenden und auch sport­lich gab es vor kurzem end­lich mal wieder Grund zur Freude – 2009 gelang die Rück­kehr in die Ver­bands­liga.