Was ist neu?
„Gude“ sagt der SV Darmstadt 98 der Bundesliga aus seiner neuen, alten Heimat im Darmstädter Süden. Mit dem Neubau der Haupttribüne ist das Stadion am Böllenfalltor seit März 2023 nun endgültig umgebaut. „Chic, aber kein Schickimicki“ sei die neue Arena laut OB Jochen Partsch. Versprühte das Stadion beim letzten Bundesliga-Aufenthalt der Lilien von 2015 – 2017 noch das Flair der (vermeintlich) guten alten Zeit, findet der Zuschauer nun einen nagelneuen Fußballtempel vor.
Mit der umgebauten Spielstätte haben sich auch die finanziellen Größenordnungen bei den Südhessen geändert. In der Winterpause der letzten Saison wurde mit dem schwedischen Junioren-Ass Oscar Vilhelmsson erstmalig ein Millionen-Transfer beim SVD vermeldet, im Sommer zog man mit dem Innenverteidiger Christoph Klarer von Fortuna Düsseldorf (2 Mio. Euro) und Fraser Hornby von Stade Reims (1,8 Mio. Euro) nach. Auch der neue Hauptsponsor, der sich nach 15 Jahren änderte, dürfte deutlich mehr Geld in die Kassen des eingetragenen Vereins spülen. Mit der in Bayern ansässigen Firma Haix, die Arbeitsschuhe herstellt, ziert erstmals seit 25 Jahren ein nicht in Darmstadt oder der näheren Umgebung beheimatetes Unternehmen die Brust der Lilien.
Was macht Hoffnung?
Wie auch schon nach dem letzten Aufstieg sind die Erwartungen in Darmstadt nicht riesengroß, was ein ruhiges Umfeld garantiert. Bedingt durch jenes zeigten die Darmstädter in der letzten Saison sowohl bei Heim- als auch Auswärtsspielen und in allen Phasen der Saison eine beeindruckende Kontinuität, was im souveränen vorzeitigen Aufstieg mündete. Mit Trainer Torsten Lieberknecht haben die Lilien zusätzlich einen erfahrenen Underdog-Coach auf der Bank, der sowohl in Braunschweig als auch in Darmstadt zeigte, wie man mit wenigen Mitteln das Maximum rausholt. Bereits vor der Saison verlängerte er seinen Vertrag bis 2027, so dass beide Vertragspartner langfristig miteinander planen können.
Bei Fans, Spielern und Verantwortlichen sorgte das Testspiel beim Liverpool FC am Montag in Preston für Europapokal-Euphorie – auch wenn die Abwehr in den ersten Minuten wackelte, spielten die Lilien gegen das Star-Team der Reds ab der 20. Minute auf Augenhöhe. Kein geringerer als Jürgen Klopp bescheinigte den Darmstädtern anschließend die Bundesliga-Tauglichkeit.
Was nicht?
Mit Philipp Tietz und Patric Pfeiffer musste man zwei wichtige Säulen der Aufstiegssaison nach Augsburg ziehen lassen – ein herber Verlust. Zudem versuchen die Südhessen mit den finanziellen Möglichkeiten eines ambitionierten Zweitligisten in eine Erstliga-Saison zu gehen. Ob das nochmal für den Klassenerhalt reichen wird wie 2015/2016, erscheint angesichts des noch einmal um ein Vielfaches gestiegenen Transfer- und Gehaltsgefüges im Oberhaus zweifelhaft. Selbst etliche Darmstadt-Fans sprechen von einer ganz schwierigen Saison und schätzen den Kader als bisher nicht erstklassig ein. Besonders in der Offensive sehen viele Verbesserungspotenzial. Ob Spieler wie Kempe, Bader, Nürnberger oder Stojilkovic als Leistungsträger ein Bundesliga-Team tragen können, ist fraglich.
Mit dieser Skandal-Schlagzeile berichtet die BILD in vier Wochen über den Verein:
Böser Lieberknecht! Darmstadt-Debakel triggert Tobsuchts-Torsten zu Spieler-Schelte!
Das 11FREUNDE-Orakel:
Für Darmstadt geht es nur um den Klassenerhalt – was schwierig genug wird. Die Lilien hinken im Vergleich zu den anderen Mannschaften auf fast allen Ebenen hinterher. Torsten Lieberknecht wird erneut außerordentliche Führungsqualitäten beweisen müssen, damit der Underdog aus dem Apfelweingebiet nicht bereits zu Saisonbeginn den Bembel umwirft. Klappen wird das nur bedingt. Auf Platz 18 geht es wieder runter in die 2. Liga.