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Jack White, alias Horst Nuß­baum, spielte einst durchaus pas­sabel Fuß­ball, wurde dann Plat­ten­pro­du­zent und kaufte sich schließ­lich 1992 beim Ber­liner Underdog Tennis Borussia ein. Dort steckte er die mit Chart­stür­mern wie Laura Bra­nigan sauer ver­dienten Mil­lionen in neue Spieler, mehr als ein paar schmuck­lose Jahre in der 2. Liga sprangen nicht dabei heraus. Die Leid­tra­genden der White-Ära sind die TeBe-Fans, die im Sta­dion aus­giebig mit den schwer erträg­li­chen Songs von David Has­sel­hoff (vom Band) und Bern­hard Brink (gerne live) beschallt werden.

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1976 stieg Pop­star Elton John beim eng­li­schen Fuß­ball­klub FC Wat­ford ein. Was zunächst nur wie der Spleen eines gelang­weilten Pop­mu­si­kers wirkte, erwies sich bald als Erfül­lung eines Jugend­traums. So stolz war John auf sein Amt, dass er sogar seinen Aston Martin in den Klub­farben anmalen ließ. Was wie­derum Prinz Philip, Gemahl der eng­li­schen Königin, zu John sagen ließ: ​Oh, Sie sind das, dem dieses Auto gehört. Wir haben es oft gesehen, wenn wir an die Rück­seite von Windsor Castle gefahren sind. Jedes Mal haben wir uns gefragt, wem wohl dieses gräss­liche Auto gehört!“

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Bis­weilen ver­raten schon Spitz­namen etwas über die Amts­füh­rung. So wurde Peter Maaßen, Groß­händler von KFZ-Teilen, als Prä­si­dent von Rot-Weiß Ober­hausen nur ​Pascha“ gerufen. Der gut­mü­tige Maaßen war in Per­so­nal­union Prä­si­dent, Trainer, Betreuer und Zuschauer. Als Maaßen nach 35 Jahren im Jahre 1973 bei RWO hin­schmiss, war der Klub derart pleite, dass er seinen Spie­lern nicht einmal das Essen im Trai­nings­lager bezahlen konnte.

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Schier unbe­grenzte Macht­fülle genoss der Par­fü­meur Helmut Spikker in
Ahlen. Der Klub hieß nach einer Umbe­nen­nung genauso wie sein Duft-Impe­rium, näm­lich ​LR“, wenn auch Spikker schmun­zelnd ver­kün­dete, die Abkür­zung stehe für ​Leicht­ath­letik und Rasen­sport, aber bitte nicht für Leicht­sinn und Reichtum“. Dann ver­hö­kerte Spikker seine Duft­wasser-Fabrik, deren neue Besitzer das Spon­so­ring umge­hend been­deten. Der Verein musste sich erneut umbe­nennen, heißt jetzt ​Rot-Weiß“ und kämpft seitdem gegen die hor­renden Schulden der Spikker-Ära.

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16 Jahre lang, von 1987 bis 2003 war Jesús Gil y Gil (Foto) Prä­si­dent des spa­ni­schen Klubs Atlé­tico Madrid, ver­schliss in dieser Zeit rekord­ver­däch­tige 26 Trainer und quit­tierte erst im hohen Alter den Dienst, mit der hüb­schen Begrün­dung: ​Ich bin jetzt 70 Jahre alt, und es gibt so viele Dilet­tanten, die mich kri­ti­siert haben. Das muss ich mir nicht mehr antun.“

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Kaum ein Land zieht über­ge­schnappte Mäzene so an wie Öster­reich. So enga­giert sich seit 1999 der Aus­tro­ka­na­dier Frank Stro­nach bei der Aus­tria Wien und anderen Klubs. Legendär Stro­nachs fuß­bal­le­ri­sche Unbe­darft­heit. So kur­siert die Anek­dote, er habe einmal insis­tiert, den zur Halb­zeit aus­ge­wech­selten Fer­nando Troyansky wieder ein­zu­wech­seln. Über Trainer mochte Stro­nach sich nicht ärgern: ​Der beste Trainer kann nichts machen, wenn die Spieler keine Kon­di­tion haben.“

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Beson­ders schön aller­dings und des­halb eine eigene Erwäh­nung wert: Als die Aus­tria im UEFA-Cup daheim gegen den FC Brügge antrat und ein schneidig kalter Wind durchs Sta­dion pfiff, wärmte sich Stro­nach – mit einem Salz­burg-Schal. Den er erst abnahm, als ihn in der Halb­zeit jemand auf den Fauxpas auf­merksam machte.

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Den wohl kri­mi­nellsten Son­nen­könig des öster­rei­chi­schen Fuß­balls beschäf­tigte 1998 der Linzer ASK. Prä­si­dent Wolf­gang Rieger war zugleich Ban­kier des pri­vaten Insti­tuts ​Rieger Bank AG“ und ver­dün­ni­sierte sich im Herbst 1998 unter Mit­hilfe des LASK-Platz­warts und mit 125 Mil­lionen Schil­ling aus den Tre­soren seiner Bank im Gepäck. Später klickten dann an der Cote d’Azur die Hand­schellen.

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Weniger kri­mi­nell, dafür umso lus­tiger ging es einst bei der Aus­tria aus Salz­burg zu. Dort war Prä­si­dent Rudi Que­hen­berger auf der Suche nach einem Mäzen fündig geworden und brüs­tete sich: ​Scheich Khalil Al Qas­simi hat in meh­reren Tele­fo­naten bestä­tigt, dass er zu dem abge­schlos­senen Koope­ra­ti­ons­ver­trag steht.“ Doch der Scheich machte sich zunächst rar und schickte statt­dessen einen Spa­nier namens Pedro Benali, aus­ge­stattet mit den aller­besten Zeug­nissen großer Klubs, vor. Benali, der sich zwi­schen­durch auch Ben Ali nannte, erwies sich dann aber als Hoch­stapler. Vorbei das ori­en­ta­li­sche Mär­chen.

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Jeder oppo­niert mal gegen seine Eltern und doch sind sie für einen da, wenn die gerade noch vor­lauten Kinder irgend­wann fle­hend ange­kro­chen kommen, weil das Taschen­geld wieder ver­schleu­dert wurde. Beim FC St. Pauli ging es nicht um Taschen­geld, son­dern um Profi-Fuß­ball. Archi­tekt Heinz Wei­sener schei­terte erst gran­dios mit seinem Babel-Pro­jekt ​Sport­dome“. Danach hielt der ​Papa“ als Prä­si­dent mehr­mals und jah­re­lang den Klub aus der eigenen Geld­scha­tulle am Leben.

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Der schil­lerndste Son­nen­könig der Bun­des­liga-Geschichte ist ohne Zweifel Günter Eich­berg, der Schalke 04 durch schiere Ver­schwen­dungs­sucht in die Schulden stürzte. Legen­därstes Bei­spiel: der Transfer des Bayern-Stür­mers Rad­milo Miha­j­lovic. Aus purer Gel­tungs­sucht riss Eich­berg die Ver­hand­lungen an sich und bezahlte drei Mil­lionen Ablöse, die Bayern hatten nur 2,5 Mil­lionen gefor­dert. Und noch eine Anek­dote: Weil er die Beer­di­gung von Ernst Kuz­orra ver­passt hatte, ließ er die Fei­er­lich­keiten wie­der­holen.

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Mit­unter landen leicht grö­ßen­wahn­sin­nige Prä­si­denten auch im Kitt­chen, wie der Potentat des TSV 1860 Mün­chen Karl-Heinz Wild­moser. Der stol­perte über den Vor­wurf der Untreue und Bestech­lich­keit beim Bau des gemein­samen Sta­dions mit dem FC Bayern. Am Ende wurde Wild­moser zwar frei­ge­spro­chen, der Sohn als Geschäfts­führer der Arena GmbH aber ver­knackt. Worauf die Anhänger auf der Wiesn den ​Holz­michl“ umdich­teten: ​Ja, sitzt denn der junge Wild­moser noch?…“

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Das Mäze­na­tentum ist keine rein männ­liche Domäne. Aus­nahme und Beweis zugleich ist die gebür­tige Deut­sche Gisela ​Gigi“ Oeri, die reichste Frau der Schweiz und Prä­si­dentin des FC Basel. Die Anhän­gerin der Sola­ri­ums­tech­no­logie hat früher selbst Fuß­ball gespielt, ist also vom Fach. Ihr skur­rilstes Hobby ist aller­dings nicht der Fuß­ball. Die gute Frau besitzt außerdem die größte öffent­liche Ted­dy­bären-Samm­lung der Welt.

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Sage keiner, Mäzene seien nicht wäh­le­risch. Als Dietmar Hopp, groß­zü­giger Finan­cier der TSG Hof­fen­heim, gefragt wurde, warum er nicht auch dem sie­chenden 1. FC Kai­sers­lau­tern unter die Arme greife, gab Hopp zu Pro­to­koll: ​Das ist Quatsch. Schließ­lich kann ich nicht die ganze Welt retten.“

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Ewige Liebe: Die Wege der ​Vec­chia Signora“ Juventus Turin sind seit 85 Jahren untrennbar mit dem FIAT-Clan ver­bunden. Über Dekaden hinweg führte Gianni Agnelli schier unsichtbar die Geschicke des Klubs, war aber ein Patri­arch alter Schule. Michel Pla­tini wurde eines seiner ver­hät­schelten Herz­blätter. Als Agnelli den Fran­zosen ver­pflich­tete, bekam Madame Pla­tini einen Strauß Rosen gesandt. ​Er fühlte sich ihr ver­bunden, buhlten sie doch um den selben Mann“, bemerkte dazu Autorin Birgit Schönau.

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Den seligen Schäng Löring von For­tuna Köln einmal bei­seite gelassen, fühlte sich kaum ein Mäzen so mit seinem Klub und seiner Stadt ver­bunden wie der Tex­ti­lien-Unter­nehmer Klaus Steil­mann mit Wat­ten­scheid 09. Die größte Nie­der­lage kas­sierten Klub und Prä­si­dent dann auch nicht auf dem Fuß­ball­platz, son­dern am 1. Januar 1976 auf dem Papier. Steil­mann war einer der erbit­tertsten Gegner der Ein­ge­mein­dung Wat­ten­scheids in die Groß­stadt Bochum, die an diesem Tage beschlossen wurde.

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Hart, aber fair. ​Mit einem Haupt­schüler rede ich nicht“, kon­sta­tierte 1977 Osna­brücks Trainer Sieg­fried Melzig und meinte ein Vor­stands­mit­glied. Jung­prä­si­dent und spä­terer Groß­mäzen Hartwig Pie­pen­b­rock ent­band ihn kalt­schnäuzig seines Amtes: ​Herr Melzig, Sie sind fristlos beur­laubt.“ Ex-Gym­na­siast Melzig schrie: ​Das will ich schrift­lich.“ Bekam er.

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Fried­helm Runge, skan­däl­chen­träch­tiger Allein­herr­scher beim Wup­per­taler SV, sorgte auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung 2006 höchst­per­sön­lich dafür, dass zwei ihm nicht genehme Kan­di­daten für den Auf­sichtsrat nicht gewählt werden durften. Die Namen der Oppo­nie­renden mussten die Ver­trags­spieler höchst­selbst per Kuli von jedem der 200 Wahl­zettel strei­chen.

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Ein Pariser in Mar­seille. Für­wahr undenkbar. Aber nicht bei Ber­nard Tapie. Popu­lis­tisch geschicktes Auf­treten, Mil­li­arden-Back­ground und Ver­bin­dungen bis in höchste Staats­kreise ver­halfen ihm zur Olym­pique-Dik­tatur. OM domi­nierte den fran­zö­si­schen Fuß­ball, wurde erster Cham­pions-League-Sieger. Jedoch erblickten seine dunklen Mächte als­bald Tages­licht: Steu­er­be­trug, schwarze Kassen, Schiri-Bedro­hungen und Spiel­ma­ni­pu­la­tion. Der Verein wird 1994 zum Zwangs­ab­stieg ver­ur­teilt, Tapie später zu vier Jahren Haft.

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Eine Top-Posi­tion unter den zwie­lich­tigen Gestalten belegt Ex-Dynamo-Dresden-Prä­si­dent Rolf-Jürgen Otto. Im Westen schei­terten diverse Pro­jekte unter anderem als Box­ver­an­stalter. Nach der Wende resi­dierte er im Bel­levue, ret­tete erst Dynamo und zog unter großer Show in den Stadtrat ein. Der Rest sind bei­spiellos krumme Geschäfte, ein Trüm­mer­haufen von einem Tra­di­ti­ons­verein und auf­ge­deckte drei Mil­lionen ver­un­treute Mark.

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Erzie­hungs­camp 2.0 – Fans des VfB Leipzig stürmten wäh­rend des Orts­derbys 1999 den Platz in Rich­tung FC Sachsen-Block. VfB-Prä­si­dent Ralph Burkei, der den Zweit­li­ga­ab­steiger mit Mil­lionen am Leben erhalten hatte, bemerkte nach Spie­lende lapidar: ​Es ist mir lieber, wenn die Jungs hier mal über das Spiel­feld rennen, als wenn sie einer alten Oma die Hand­ta­sche rauben würden.“ Wenig später lag der Verein erneut auf der Inten­siv­sta­tion, Burkei machte sich vom Acker.

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Manch nie­der­säch­si­scher Fuß­ball­klub erfuhr schon Unter­stüt­zung von ​Hüh­ner­baron“ Albert Sprehe. Die jewei­ligen Übungs­leiter waren beim mei­nungs­freu­digen Mit­be­stimmer dagegen von jeher unter­pri­vi­le­giert. ​Nie­mals zuvor in meinem Leben musste ich mir der­ar­tige Belei­di­gungen gefallen lassen. Beim Blick in den Spiegel muss ich noch immer Jürgen Boden­dorf erkennen und nicht eines der Mast­hähn­chen Sprehes“, sagte 1999 der ent­nervte Ex-Clop­pen­burger Boden­dorf. Heuer sitzt der Haupt­sponsor im Auf­sichtsrat von Ober­li­gist Wil­helms­haven. Das jüngste Opfer: Trainer Kay Stisi, im ver­gan­genen Sep­tember nach ledig­lich fünf Monaten in Amt und Würden ent­fernt. Grund: Kritik an Fein­kost­un­ter­nehmer Sprehe.

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Mäzene sollten sich für einen Klub ent­scheiden und ihm dann die ewige Treue schwören. Sonst drohen groß­for­ma­tige Schlag­zeilen wie im Falle von Silvio Ber­lus­coni, dem Mogul des AC Milan. Der geriet 2004 in den Ver­dacht, früher großer Anhänger des Rivalen Inter Mai­land gewesen zu sein und sogar Kauf­ab­sichten gehegt zu haben. Ber­lus­conis Kom­mentar: ​Ich war nie­mals Inter-Fan, weil man nicht seine Reli­gion ändern kann!“

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Erhard Gold­bach, Besitzer der Petrol-Firma ​Goldin“, pumpte Mitte der 70er Jahre Mil­lionen in den Tra­di­ti­ons­klub West­falia Herne und hievte die West­falia bis in die 2. Liga. So dankbar war man Gold­bach, dass zwi­schen­durch sogar die Lizenz­spie­ler­ab­tei­lung ​SC West­falia Goldin 04 Herne“ getauft wurde. Dann kam raus, dass Gold­bach doch kein genialer Geschäfts­mann war, son­dern schlicht ver­mieden hatte, die Mine­ral­öl­steuer zu bezahlen. West­falia verlor die Lizenz für die 2. Liga, kurio­ser­weise aller­dings erst nach dem 1. Spieltag. Der DFB reagierte kreativ und erklärte die absol­vierte Partie auf dem kurzen Dienstweg zum Freund­schafts­spiel.

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Wil­helm Neu­de­cker, Patri­arch des FC Bayern, ver­stand die Welt nicht mehr. Ledig­lich eine zwei­mo­to­rige Hawker Sid­deley HS 748 sollte seine Spieler im Oktober 1973 zum Euro­pacup nach Norr­kö­ping bringen. Erschro­ckene Fest­stel­lung: ​Das ist ja ein Heu­hupfer, mit dem man höchs­tens bis nach Augs­burg fliegen kann!“ Unter Scha­mes­röte stellte die Flug­ge­sell­schaft eine den Bayern genehme Maschine zur Ver­fü­gung.