Vision 2025“: diesen Titel gab Ingo Wald, Prä­si­dent des MSV Duis­burg, seinem Plan für die Zukunft, als er im August 2022 vor der Jah­res­haupt­ver­samm­lung sprach. In knapp drei Jahren sollte der Verein, spä­tes­tens, in die 2. Bun­des­liga auf­ge­stiegen sein. Das sei laut Wald nicht nur das sport­liche Ziel, son­dern auch eine finan­zi­elle Not­wen­dig­keit, wenn man das ste­tige Defizit des Dritt­li­gisten betrachte. Nur eine Liga höher, sei es über­haupt mög­lich, wirt­schaft­lich zu gesunden. 

Stand jetzt, im Januar 2024, ist aus der Vision ein Alp­traum geworden. Die Duis­burger stehen auf dem vor­letzten Rang der 3. Liga, der im Oktober ein­ge­stellte Boris Schom­mers, Trainer Nummer drei in der lau­fenden Saison, konnte bisher nicht den Nach­weis erbringen, eine signi­fi­kante Ver­bes­se­rung im Ver­gleich zu seinen beiden Vor­gän­gern zu sein. Nur zwei Siege in zwölf Spielen gelangen unter Schom­mers, die Punk­te­aus­beute bleibt mit neun Punkten äußerst mager. Zum Jah­res­auf­takt gab es zwei Nie­der­lagen gegen direkte Kon­kur­renten. Bei der 1:4‑Niederlage gegen 1860 Mün­chen war die MSV-Mann­schaft deut­lich unter­legen, im dar­auf­fol­genden Heim­spiel gegen den Hal­le­schen FC zeigte sich das Team zwar defensiv und kämp­fe­risch ver­bes­sert, ging nach einer guten ersten Hälfte sogar mit einer 2:1‑Führung in die Pause. Auf die Ver­lie­rer­straße gerieten die Gast­geber schließ­lich durch die Rote Karte von Rechts­ver­tei­diger Joshua Bitter für das völlig unnö­tige Ein­steigen gegen Halles Tarsis Bonga. Die miese Chan­cen­ver­wer­tung tat ihr Übriges, nach dem 2:3 ist Schom­mers‘ Team jetzt acht Punkte vom ersten Nicht­ab­stiegs­platz ent­fernt.

Preetz und der nächste Trainer

Die zarten Hoff­nungen, mit denen die MSV-Fans ins neue Jahr gestartet waren, sind also wieder hin­fällig. Immerhin hatten die Zebras im Dezember, für ihre Ver­hält­nisse zumin­dest, sta­bile Leis­tungen gezeigt, Siege gegen Lübeck und Frei­burg II ließen eine Trend­wende mög­lich erscheinen. Und dann gaben die Duis­burger einen Tag vor dem Sechzig-Spiel auch noch einen nam­haften Neu­zu­gang bekannt: Michael Preetz wird allei­niger Geschäfts­führer, der 56-Jäh­rige unter­schrieb einen Ver­trag bis 2025. Preetz, gebür­tiger Düs­sel­dorfer, hatte als Aktiver zwei Sai­sons im blau-weiß gestreiften Trikot gespielt, zuletzt war er von 2009 bis 2021 bei Hertha BSC in lei­tender Posi­tion tätig.

Auch wenn Preetz die ver­gan­genen drei Jahre ohne Enga­ge­ment im Pro­fi­fuß­ball war, ist seine Ver­pflich­tung ein per­so­nelles Aus­ru­fe­zei­chen des schwer kri­selnden Dritt­li­gisten. Nach der Ent­las­sung von Sport-Geschäfts­führer Ralf Heskamp im Oktober, hatte man zuerst, auch aus Kos­ten­gründen, auf eine interne Lösung gesetzt, bestehend aus Chef­scout Chris Schmold und Ex-Spieler Branimir Bajic. Beide rücken durch die Ver­pflich­tung von Preetz wieder ins zweite Glied. Nachdem auch die wei­teren Geschäfts­führer Peter Mohn­haupt und Thomas Wulf Ende November den Verein ver­lassen hatten, kon­zen­triert sich die gesamte orga­ni­sa­to­ri­sche und per­so­nelle Ver­ant­wor­tung auf den ehe­ma­ligen Bun­des­liga-Tor­schüt­zen­könig.

Dass es über­haupt so weit gekommen und der Ver­bleib im Pro­fi­fuß­ball ernst­haft gefährdet ist, liegt an meh­reren Fak­toren, ein ent­schei­dender ist der Umgang mit der Chef­trainer-Per­so­nalie. Acht unter­schied­liche Per­sonen beklei­deten das Trai­neramt seit November 2020 nach dem Abgang von Torsten Lie­ber­knecht. Unter Torsten Zie­gner hatten die Zebras in der abge­lau­fenen Saison noch einen soliden zwölften Platz erreicht, mit beru­hi­gendem Abstand zu den Abstiegs­rängen. Nach dem ver­patzten Start in die aktu­elle Spiel­zeit (drei Punkte aus sechs Spielen), musste Zie­gner dann seinen Hut nehmen. Als Inte­rims­lö­sung half U19-Coach Engin Vural aus, der in vier Spielen posi­tive Ansätze zeigen konnte. Mit dem ersten Sai­son­sieg gegen Unter­ha­ching und dem Punkt­ge­winn gegen Preußen Münster war durchaus ein leichter Auf­wärts­trend zu erkennen.