Jamal Musiala lässt zwei Peruaner aus­steigen, legt rechts raus zum form­starken Julian Brandt. Der geht zur Grund­linie und sieht Mergim Berisha im Rück­raum; der Ball kommt punkt­genau, fällt dem Debü­tanten vor die Füße und Berisha schließt über­legt ab. Perus Natio­nal­tor­wart Carlos Cáceda ist geschlagen, das Mainzer Publikum feiert den Tor­schützen.

Klar, das sind Gedan­ken­spiele. Berisha ist (noch) kein A‑Nationalspieler. Den­noch könnte dieses Sze­nario am 25. März ein­treten, wenn die DFB-Aus­wahl in Mainz gegen Peru das erste Län­der­spiel nach der ver­korksten WM bestreitet. ​Ich kenne wenig bes­sere Neuner, die wir in Deutsch­land haben“, sagte Augs­burgs Trainer Enrico Maaßen nach dem 1:0‑Sieg gegen Lever­kusen über seinen Match­winner Berisha. Der mit 24 Jahren einen unge­wöhn­li­chen Kar­rie­reweg hinter sich hat. Und der für Hansi Flick sehr inter­es­sante Qua­li­täten mit­bringt.

Viel mehr als nur ein Abschluss­spieler

Drei Tore hat Augs­burg in den letzten drei Spielen geschossen. Dreimal traf Mergim Berisha. Beide 1:0‑Erfolge gegen Mön­chen­glad­bach und Lever­kusen haben die Augs­burger ihrem Top-Stürmer (sechs Tore in 13 Spielen) zu ver­danken, der aktuell im 4 – 4‑2-System zusammen mit dem frisch ver­pflich­teten und wuch­tigen Dion Beljo an vor­derster Front agiert.

Es ist wahr­schein­lich nur eine Frage der Zeit, bis Berisha seinem Sturm-Partner den ersten Bun­des­liga-Treffer auf­legt. Denn Berisha ist nicht nur selbst abschluss­stark, son­dern hat auch das Auge für den Neben­mann, nimmt aktiv am Spiel teil. Schon vier Assists gelangen ihm in dieser Saison. Der Stürmer schlägt laut FBref die meisten Augs­burger Flanken pro 90 Minuten (5,3) und tritt trotz seiner Größe von 1,88 Metern häufig die Ecken.

Enrico Maaßen lobte seinen Tor­ga­ranten nach dem Lever­kusen-Spiel: ​Man sieht, was er für eine Abschluss­qua­lität hat mit links, mit rechts, mit dem Kopf. Er ist ein außer­ge­wöhn­li­cher Spieler in der Box.“ Das belegt die Praxis: Vier Tore schoss der durch­set­zungs­starke 1,88 Meter-Stürmer mit rechts (dar­unter zwei Elf­meter), je eins mit links und mit dem Kopf – alle im Straf­raum. Das schönste Tor gelang ihm gegen Borussia Mön­chen­glad­bach, als er aus sechs Metern den Ball volley mit dem Außen­rist vorbei an Jonas Omlin beför­derte. ​Der Abschluss ist, glaube ich, auch sehr in Ord­nung“, sagte Berisha im Gespräch mit dem BR über sein Zauber-Tor und musste bei dieser Aus­sage selbst schmun­zeln.

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Kar­riere basiert auf Leih­ge­schäften

Berisha hat, obwohl er erst 24 Jahre jung ist, bereits bei sieben (!) Profi-Ver­einen gespielt und einen bemer­kens­werten Weg hinter sich. Er wurde 1998 in Berch­tes­gaden geboren und ging in Salz­burg zur Schule. Der Sohn kosovo-alba­ni­scher Eltern debü­tierte 2014 im Pro­fi­fuß­ball für den FC Lie­fe­rung: Mit 16 Jahren und dem aller­ersten Ball­kon­takt traf er direkt. Der FC Lie­fe­ring ist das Farm­team von RB Salz­burg, im Januar 2017 unter­schrieb Berisha dann beim Mut­ter­kon­zern.

Es folgten eine erfolg­reiche Leihe zu LASK (2017 bis 2018), eine unglück­liche und vor­zeitig abge­bro­chene Leihe beim 1. FC Mag­de­burg, wo Berisha nur auf vier Kurz­ein­sätze kam, und der end­gül­tige Durch­bruch als Leih­spieler beim SCR Altach im Jahr 2019 mit 26 Scor­er­punkten in 34 Spielen. Seine frühe Kar­riere basiert auf Leih­ge­schäften.

In der Saison 2020/21 schaffte er es dann auch bei RB Salz­burg unter Jesse Marsch zum unum­strit­tenen Stamm­spieler (22 Tore in 42 Ein­sätzen). Er wech­selte im Sep­tember 2021 für fünf Mil­lionen Euro zu Fener­bahce Istanbul und spielte regel­mäßig, bis er zu Beginn dieser Saison kaum noch im Kader stand. So fiel Berisha Augs­burg für eine nied­rige sechs­stel­lige Leih­ge­bühr bis zum Sommer 2024 in die Hände. Laut Medi­en­be­richten sicherte sich der FCA zudem eine Kauf­op­tion über vier Mil­lionen Euro.