Dieser Text erscheint im Rahmen unserer Kooperation mit dem Tagesspiegel.
Als in der Arena Auf Schalke die immerhin achtminütige Nachspielzeit anbrach, ging es im zuvor gut gefüllten Gästeblock bereits ähnlich luftig zu wie in der Defensive von Hertha BSC während des Spiels. Ein großer Teil der mehr als dreitausend Berliner Fans hatte bereits die Flucht ergriffen, inklusive der Ultras auf den besten Plätzen. Was nach deren Kodex eigentlich ein Unding ist.
Aber Herthas Anhang ist in dieser Saison lange in Vorleistung getreten. Er hat die Mannschaft nach Kräften unterstützt, selbst nach abenteuerlichen Minderleistungen war kein böser Ton zu vernehmen.
Die Stimmung kippt
Das scheint sich am Freitagabend, nach der abenteuerlichsten aller abenteuerlichen Minderleistungen, grundlegend geändert zu haben. 2:5 verlor Hertha, gegen den vormaligen Tabellenletzten Schalke 04. Anschließend wurden die Berliner Spieler zum ersten Mal in dieser Saison mit Pfiffen bedacht.
Die Geduld ist endlich, die Stimmung kippt. Aber das ist für den Klub, der inzwischen nicht nur in finanzieller Hinsicht ein Sanierungsfall ist, allenfalls ein Randproblem.
Hertha hat sich zu lange etwas vorgemacht
Vielleicht hätte es Hertha sogar ganz gutgetan, wenn die Fans schon ein bisschen früher spielbezogen reagiert hätten. Wenn sie ihren Unmut kundgetan hätten, anstatt den Klub und sich selbst mit einer Es-wird-schon-alles-gut-Haltung einzulullen. Vielleicht hätte das zum rechten Zeitpunkt die Sinne geschärft. Denn viel zu lange hat sich Hertha etwas vorgemacht. In jeder Hinsicht. Das rächt sich jetzt.
Natürlich ist die Mannschaft am Freitagabend nicht abgestiegen. Sechs Spiele sind es noch, der Abstand, zumindest auf den Relegationsrang, ist weiterhin überschaubar, und die Konkurrenten aus Schalke, Bochum und Stuttgart sind alles andere als übermächtig.