Rolf-Jürgen Otto einen aus­glei­chenden Cha­rakter zu beschei­nigen, darauf wäre nicht einmal Rolf-Jürgen Otto selbst gekommen. ​Auf­brau­send und mit Hang zur Cho­lerik“, beschrieb sich der Unter­nehmer gern, und wer sich von seinem heiß­blü­tigen Tem­pe­ra­ment ein Bild machen wollte, musste Otto nur spo­ra­disch bei seinen öffent­li­chen Auf­tritten beob­achten. Wenn also der Prä­si­dent des dama­ligen Bun­des­li­gisten Dynamo Dresden im feinen Hotel­re­stau­rant Bel­levue speiste und nebenan zu sehr gelärmt wurde, kam es schon vor, dass Otto sich hin­über wandte und die Tisch­nach­barn rüde zurecht­wies: ​Können Sie nicht end­lich leiser sein, schließ­lich habe ich hier einen Gast aus dem Westen.“ Auch Stürmer Olaf Mar­schall bekam den auf­wal­lenden Zorn des Prä­si­denten zu spüren. Groß­spurig hatte der Funk­tionär dem frisch ver­pflich­teten Kicker ein kom­for­ta­bles Haus im Neu­bau­ge­biet offe­riert. Weil die Bau­ar­beiter aber ver­gessen hatten, eine Toi­lette zu instal­lieren, logierten die Mar­schalls zunächst im Hotel Bel­levue und nahmen in Kauf, dass die Gattin sich stets dis­kret um die Rezep­tion her­um­drü­cken musste. Otto wollte aller­höchs­tens für ein Ein­zel­zimmer auf­kommen und das auch nur für begrenzte Zeit. Nach zwei Wochen fal­tete der Funk­tionär seinen Angreifer in der Lobby zusammen, was der sich ein­bilde, so lange im Hotel her­um­zu­hängen, das Haus sei längst bezugs­fertig. Und mit­unter waren sogar Kameras dabei, etwa als der Funk­tionär bei einer Pres­se­kon­fe­renz die Fas­sung verlor und in Rich­tung Jour­naille pol­terte: ​Wann ich hier als Prä­si­dent auf­höre, das bestimme ich und kein anderer!“ Es sei näm­lich so: ​Mir nimmt man das Zepter in dieser Situa­tion nicht mehr aus der Hand.“