Professor Chadwick, der FC Schalke 04 hat den Sponsorenvertrag mit Gazprom nach 15 Jahren aufgelöst. Warum hat das Unternehmen dort viel Geld bezahlt, obwohl niemand in Deutschland direkt Kunde von Gazprom werden konnte?
Um sich zu legitimieren. Es ging darum, dass die Leute Gazprom mögen. Ich habe viel Zeit im Ruhrgebiet verbracht und weiß, dass Schalke als traditioneller Arbeiterklub emblematisch ist. Es war eine strategische Verführung, dass Gazprom dazugehörte. Das war ein trojanisches Pferd. Auch in England hat niemand nachgefragt, woher unser Gas eigentlich kommt. Warum sollte man Gazprom auch in Frage stellen: Sie sind doch Sponsoren der Champions League! Mit denen muss alles in Ordnung sein, sonst würde die UEFA keinen Vertrag mit ihnen machen! Es war gerissen, weil man nur auf die eine Hand sah, die Schalke unterstützte oder die Champions League. Die andere Hand hingegen machte etwas ganz anderes: Gazprom hat Gas nicht erst in der letzten Woche, sondern schon in den frühen 2000ern, zu einer Waffe in einem Energiekrieg gemacht. Auch die Geschichte von Gazprom und Roter Stern Belgrad illustriert das gut.